28.05.2026, 19:00 - 21:00 Uhr

Literaturhaus, Vortragssaal

Lesung

Eintritt frei

Die Darmstädter Jury vergibt zum dritten Mal ihren Literaturpreis

Preisträgerin ist Christine Wunnicke, ausgezeichnet wird ihr Roman „Wachs“

Die Darmstädter Jury „Buch des Monats“, eine Vereinigung von Kritikern und Literaten, die im Jahr 1952 ins Leben gerufen wurde, hat das schöne Privileg, jeden Monat ein literarisches Werk ins Licht der öffentlichen Aufmerksamkeit rücken zu dürfen, das auf etwas im Wortsinne wahrhaft Erlesenes fallen soll. Auf das also, was abseits, also apart vom raschen und zeitverschluckenden Verbrauchs- und Marketinglärm des literarischen Betriebs liegt. Ausgezeichnet werden soll zwölfmal im Jahr: eine wahre Kostbarkeit. Eine dieser Kostbarkeiten wird seit 2022 jeweils als „Buch der Jahre“ besonders herausgestellt und mit dem „Literaturpreis der Darmstädter Jury“ bedacht. Er wird alle zwei Jahr vergeben, ist mit 5000 Euro dotiert und kann an Autoren, Übersetzer oder auch an Verlage vergeben werden. Ausgezeichnet wurden bisher László F. Földényi und Cécile Wajsbrot. In diesem Jahr erhält nun Christine Wunnicke für ihren meisterlichen Roman „Wachs“ den Literaturpreis. Er gilt einem Werk, das im 18. Jahrhundert angesiedelt ist und doch aktueller nicht sein könnte: In Paris bildet sich die junge Marie Biheron selbst dazu aus, Wachsmodelle von Pflanzen, Tieren und Menschen zu formen. Für ihre anatomischen Studien verschafft sie sich Zugang zu Leichen. Und entwickelt den ehrgeizigen Plan, es mit dem Schöpfer aufzunehmen. Die Menschen, die sie als Wachsbilder erschafft, kennen kein Altern, keine Krankheit, keinen Verfall. Ihr eigener Körper schon. Und so besieht sie nach 1789 die französische Hauptstadt im Jubel der Revolution als vergnügte, steinalte Frau, die zwischen Automaten und wilden Tieren die Spuren ihrer Kunst verfolgt. Christine Wunnicke erzählt davon gewohnt prägnant, klug, dezent anspielungsreich, mit historischem Bewusstsein und doch völlig frei von ehrpusseligem Ausmalen einer früheren Epoche. Stattdessen ist „Wachs“ ein hellwacher Kommentar zur drängenden Frage unserer von KI, Selbstoptimierung und digitalen Avataren schwer gezeichneten Zeit: Was ist das, der Mensch? Am 28. Mai 2026 wird Christine Wunnicke  dafür im Darmstädter Literhaus den „Literaturpreis der Darmstädter Jury“ erhalten. Die Laudatio hält der FAZ-Herausgeber Jürgen Kaube.

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